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Mit Franzbranntwein gegen heiße Füße.

Hirn kochen oder Sonnenbrand auf Kopfhaut.

Es sollte heute ja ein sehr heißer Tag werden. Also starteten wir um 6:10 Uhr und nahmen zu unseren 3 Litern Wasser nochmal 1,5 Liter zusätzlich mit und das zu den alten Schuhen, die wir immer noch nicht zurücklassen wollten. Die Temperatur war genau richtig, allerdings hatte Brigitte schon leicht kalte Hände. Aber die Sonne fing schon an zu heizen. Bald waren wir im Wald, wo es wieder schön kühl war. Hinter einer Lichtung hörten wir Tierlaute, die wir nicht richtig zuordnen konnten, ich vermutete Wildschwein, hoffte aber, dass es nicht an uns interessiert war.

Als wir aus dem Wald wieder herauskamen, sahen wir einen langen Damm. Von meinem Navi wusste ich, dass es der Dortmund-Ems-Kanal sein müsste. Beim Näherkommen sahen wir aber auch, dass die Straße UNTER dem Kanal hindurchführte. Und da hörten wir auch schon die Motorengeräusche eines Schiffes. Im ersten Augenblick sahen wir es nicht, aber dann erkannten wir das Schiff, dessen höhere Teile wir vorbeischwimmen sahen. Das war ulkig. Die Straße führte abgesenkt unter dem Kanal durch, was ja nicht gerade der übliche Anblick ist. Natürlich mussten wir auf den Damm klettern und uns den Kanal von oben ansehen.

Nach Olfen kam ein großes Waldstück, das wir zügig durchquerten. Hier war unser Durchschnitt noch bei 5 km/h was sich natürlich noch verlangsamen würde. Die Temperatur stieg kontinuierlich an, zum Glück waren wir wieder im Wald unterwegs, das war ein großer Unterschied zu draußen. In Hullern machten wir Pause, direkt an der Hauptstraße, mit allem drum und dran, heißt: Schuhe aus, Strümpfe raus, Brotzeit und Getränke her, welche Wohltat. Die ersten 1,5 Liter Wasser waren schon getrunken. Der Weg führte am Hullerner See entlang. Der See war – zumindest teilweise – mit einem Zaun abgesichert, was mich wunderte. Deshalb und wegen unserem Projekt, sprach ich ein entgegenkommendes Paar darauf an. Der See ist ein großes Trinkwasserreservat für die Umgebung und sollte vor Verschmutzung geschützt werden. Am nächsten See, dem Halterner See fanden wir eine Bank mit schöner Aussicht auf den See und völlig im Schatten. Da machten wir unser zweite Pause mit tollem Blick auf den See. Zur Kühlung unserer Füße, der See war von hier aus nicht zugänglich, verwendeten wir den Franzbranntwein, den uns Herr Engels freundlicherweise in Ittenbach mitgebracht hatte. Dass die Füße nicht zischten war schon beinahe ein Wunder.

Dann wieder weiter, zum Glück noch im Wald. In Sythen war unser Durst so groß, dass wir in einer Getränkehandlung 1,5 Liter Apfelschorle und eine Flasche Cola als Kaffee Ersatz kauften. Zum hinsetzen war aber nur eine Bank vor einem Haus im Umkreis zu sehen. Also ging ich, während Brigitte die Getränke kaufte, zu dem Haus und klingelte. Auf meine Frage, ob wir uns denn auf die Bank setzen dürften, antwortete die Frau sehr freundlich, “aber natürlich”. Nach unserer letzten Vertreibung von einer privaten Sitzbank, wollte ich dieses Risiko nicht wieder eingehen.

So gestärkt, inkl. Schuhe und Strümpfe aus, ging es weiter. Dann wurde der Wald lichter und wir spürten die Kraft der Sonne direkt. Gegen 14 Uhr hatten wir noch 8,6 km vor uns, also etwa zwei Stunden reine Gehzeit. Bevor wir den Wald ganz verließen, machten wir nochmal eine Pause. Dann mussten wir auf kleinen Straßen übers Feld wandern. Dabei suchten wir jeden Schatten, den uns die bestehenden Bäume spendeten. Der Wasservorrat war mittlerweile auf drei Schluck zusammengeschrumpft. Den Ortseingang von Dülmen erreichten wir in der Nähe des Sportgeländes, wo gerade ein Jugendfußballspiel stattfand. Am Kiosk kaufte ich zwei kleine Flaschen Wasser die aber sofort “verdunstet” waren. Weiter ging es durch das Zentrum von Dülmen, denn unsere Unterkunft lag auf der anderen Stadtseite. Da wir noch Brot für den nächsten Tag brauchten, gingen wir gleich in den ersten Supermarkt, ach was tat deren Klimaanlage gut!!!
Kurz danach waren wir wieder auf meiner geplanten Route und bis zur Unterkunft immer noch 1,6 km. Brigitte sah echt erschöpft aus, wahrscheinlich sah ich auch nicht besser aus, aber wir mussten durchhalten. Das Abendessen war auch noch nicht geklärt und so ging Brigitte nochmal in einen anderen Supermarkt, etwas für den nächsten Tag zu kaufen. Es wurde höchste Zeit ans Ziel zu gelangen. Bei Gisela angekommen, wurden wir mit offenen Armen empfangen. Gisela war so lieb gewesen, mangels freien Zimmern in Dülmen, uns ihr privates Gästezimmer zur Verfügung zu Stellen. Aber das war noch nicht alles. Sie kochte auch noch eine super leckere Linsensuppe. So gestärkt konnten wir uns erholen. Zuguterletzt überraschte uns Gisela noch damit, dass sie uns als ihre privaten Gäste betrachtete, sie uns also die Übernachtung und das tolle vegane Abendessen schenkte, ganz herzlichen Dank liebe Gisela!

Tagesbericht von Reiner Gauß

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