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Handy piep einmal . . . die Geschichte vom verlorenen Handy . . .

Handy gut, Alles gut ???

Was für ein Tag! Es sah kühl aus draußen, aber es war dann doch nicht so kühl wie es aussah. Tiefhängende Wolken konnten alles heißen. Auf dem Weg aus Mölln raus sahen wir noch viele Äste auf Straße und Gehweg liegen, die Aufräumungsarbeiten waren noch im Gange. Unser Weg führte sehr schön durch einen großen Wald, über 10 km lang.

Am Anfang war es ein Feenwald mit einigen Fantasy-Geschöpfen wie ein Einhorn, das aus einem Baum zu kommen schien. Der Wald schützte uns auch etwas vor dem Wind und dem Nieselregen, der gelegentlich mal durch kam. Aber so ließ es sich gut wandern. Hier im Wald waren die Unwetterschäden weit geringer als im Stadtbereich. Am Küchensee konnten wir den schönen Blick auf das Wasser genießen, das vom Wind allerdings etwas aufgewühlt war. Hier wurden wir unabhängig von einander von einer Frau und einem Mann angesprochen, ob wir denn weit wandern würden und von wo nach wo. Für uns natürlich eine Gelegenheit über unser Projekt zu erzählen und unseren Flyer weiter zu geben. Beide sagten, dass sie es toll fänden, dass wir das machen würden.

Ein Damm führte uns nach Ratzeburg hinein und wir nutzten die Gelegenheit für eine Kaffeepause. Dann ging es am Ratzeburger See weiter, es waren jetzt nur noch etwa 12 km bis zu unserem Etappenziel in Groß Sarau. Ich machte noch ein Bild von einem schloßartigen Gebäude am gegenüberliegenden Seeufer und wir gingen auf den Seeuferweg, der fast die ganze Zeit mehr oder weniger am Seeufer entlang führte. Später wollte ich ein Bild von einem Schachtelhalm machen. Schock! Das Handy war nicht mehr da!

Alle Taschen abgesucht, nichts gefunden. Brigitte kurz Bescheid gesagt, Tom und Sandra zugerufen, dass das Handy weg ist und im Stechschritt den Weg wieder zurück gegangen und den Boden so gut es ging abgesucht. Wo kann es gewesen sein? In dem Cafe? Das letzte Bild hatte ich aber bei dem schloßartigen Haus gemacht, also war es nicht im Café sondern später. Die Handytasche, die ich am Bauchgurt des Rucksackes trug, war mit einem Klettverschluß versehen, der auch schon zwei Mal offen war, was aber rechtzeitig von uns bemerkt worden war. Evtl. ist es beim Buschtoilettengang herausgerutscht und ich hatte es nicht bemerkt!? Wir liefen also im Schweinsgalopp die Strecke zurück. Jeden Fußgänger und Radfahrer den wir trafen fragten wir ob ein Handy gefunden worden war. Fehlanzeige!

Dann kreisten die Gedanken, was machen wir, wie sollen wir den Blog weiter schreiben, Bilder machen, erreichbar sein? Muss ich die HandyNr sperren lassen, ein neues Handy kaufen? Ärger über mich selbst kam auch hoch. Warum hast Du die beiden „Warnschüsse“ ignoriert und keine andere Möglichkeit für das Handy gesucht? Nützt nix, jetzt erst mal suchen! An der Stelle wo ich das letzte Bild gemacht hatte, war klar, dass es hier nicht ist. Also umdrehen und den Weg zurück nochmals absuchen, mit geringer Wahrscheinlichkeit. Tom hatte eine Ortungs-App, mit welcher man den Aufenthaltsort anderer Handys ermitteln kann. Aber dazu muss man sowohl die Apple-ID, als auch das entsprechend Passwort wissen. Ging also auch nicht. Dann rief Tom unsere HandyNr immer wieder an, während wir, langsamer jetzt, wieder den schon Mal gegangenen Weg zurück gingen. Plötzlich sagte Brigitte: „lass es nochmal klingeln!“. Und da lag es!!!

Allerdings auf der Glasseite und die Rückseite ist etwas dunkler, so dass es schlecht vom Boden unterscheidbar war. Was für eine Erleichterung, es musste bis nach Süddeutschland einen Rumpler getan haben, als mir der Stein der Erleichterung vom Herzen gefallen war!! Gleich einen Funktionstest gemacht, es ging noch! 17 Anrufe von Tom hatte es gebraucht, um zufällig in der Nähe des Handys das Klingeln zu hören!

Ab sofort war die Bauchtasche tabu! Brigitte nahm das Handy in ihren Spendenbeutel, auf den sie wie ein Schießhund aufpasste! Was für eine Aufregung! Die Suchaktion hatte uns fünf zusätzliche km gekostet, aber dafür, dass wir das Handy wieder hatten war dieser Preis für mich in Ordnung!
Weiter ging es am See entlang, aber die nächsten 2 km bekam ich davon nichts mehr mit, so erleichtert war ich.
Einige Km später kamen wir an einem Grundstück vorbei in dessen Garten ein Mann mit einem Stecheisen einen Baumstamm  bearbeitete. Im Hof standen noch mehre andere Kunstobjekte herum. Die Anderen waren schon weiter und ich rief Brigitte nochmal zurück, weil es uns interessierte. Der Mann bat uns herein, als er unsere Neugier sah. In seiner Werkstatt zeigte er uns weitere Exponate seiner Kunstwerke. Es waren beeindruckend schöne Objekte dabei. Bevor wir aber seine Werkstatt betraten, sagten wir zu ihm, dass wir aber nichts kaufen konnten, weil unsere Rucksäcke keinen Platz für solch große Objekte boten! Er antwortete: “ Ich verkaufe vorläufig nichts von meinen Kunstwerken! Ich mache das für mich.“

Natürlich erzählten wir Aloys (so heißt er ) von unserem Projekt. Aloys sah aus wie ein bestenfalls Mitvierziger, wobei sich herausstellte, dass er sogar fünf Wochen älter war also ich! Er war angetan von Streckenlänge, Dauer und Motivation das ganz durchzuziehen. Wir tauschten uns etwas aus und er bot uns sogar Kaffee an, aber da unsere Freunde bereits weiter gegangen waren lehnten wir ab und schauten, dass wir Sandra und Tom wieder einholten. Wir werden Aloys in sehr guter Erinnerung behalten, er kommt in unsere Liste der besonderen Menschen dazu!

Weiter ging es am See entlang, an welchem tolle Häuser standen, teils mit Reetgedeckten Dächern, manche hatten einen direkten Zugang zum See. An einem Naturfreibad tranken wir etwas und ruhten nochmals aus, bevor wir die letzten Kilometer entspannt angingen. Durch die Suchaktion sind wir über fünf km mehr gegangen, als geplant (25 km).
Das Restaurant im Hotel hatte geöffnet und wir freuten uns auf Dusche und Abendessen.

Tagesbericht von Reiner Gauß