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Prof. Achim Schmaltz

Prof. Achim Schmaltz

Geschäftsführer der DGPK; ehem. Leiter Kinderkardiologie Essen

Sie setzen sich in der Leitlinienkommission der Deutschen Gesellschaft Pädiatrische Kardiologie (DGPK) sehr für aktuelle, fundierte Leitlinien ein. Wem nutzen diese?
Sollte der Patient bzw. seine Eltern den behandelnden Arzt darauf aufmerksam machen, falls er Fragen, Zweifel oder unklare Beschwerden hat?

„In erster Linie sind die Leitlinien für die behandelnden Ärzte in Klinik und Praxis bestimmt, die sich damit immer wieder auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bringen können. Selbst zur Vorbereitung auf die Facharztprüfung werden sie gerne genutzt. Wir veröffentlichen sie im Internet und ermöglichen dadurch natürlich auch den Eltern/ Patienten, sich über die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bei ihrem Herzfehler zu informieren. Ein Hinweis an den behandelnden Arzt kann ohne Zweifel nicht schaden und wird von diesem – je weiter entfernt er von dem Fachgebiet ist – sicher angenommen werden.

In den letzten 10 bis 15 Jahren haben zahlreiche medizinische Fachgesellschaften Leitlinien zur rationalen und evidenzbasierten (auf Grundlage einer nachgewiesenen Wirksamkeit) Diagnostik und Therapie von Krankheitsbildern ihres Fachgebietes entwickelt. Die DGPK startete damit bereits 1994 und ist derzeit bereits bei der dritten Auflage der Leitlinien, die von Experten entwickelt werden, dann aber mit Vertretern der angrenzenden Fachgebiete und Elternvertretern diskutiert und konsentiert werden.“

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür – wie halten Sie es mit der RSV-Prophylaxe?

„Sowohl ehemalige Frühgeborene mit Langzeitbeatmung, wie auch Säuglinge mit angeborenem Herzfehler mit hämodynamisch wirksamen Links-Rechts-Shunt und pulmonaler Hypertonie sind besonders gefährdet, eine RS-Infektion zu bekommen, d.h. eine bronchopulmonale Infektion der unteren Atemwege mit dem respiratory syncytial virus (RSV). Eine große internationale Studie hat nachgewiesen, dass durch Gabe von Palivizumab (Synagis®) Anzahl und Dauer von Hospitalisationen (Krankenhausaufenthalten) und Tagen mit erhöhtem Sauerstoffbedarf signifikant gesenkt werden konnten.

Die Prophylaxe (Vorbeugung) besteht in einer monatlichen intramuskulären Gabe von 15 mg/kg Körper-gewicht Palivizumab und sollte abhängig von der epidemiologischen Lage zwischen Oktober und März durchgeführt werden. Neben der Durchführung der medikamentösen Prophylaxe muss auf die Einhaltung hygienischer Maßnahmen (Händewaschen, Vermeidung von Tröpfcheninfektion bei bestehenden Infekten, Vermeidung von Rauchexposition) in Familien und Kliniken geachtet werden. Eine Überarbeitung (vom Okt. 1012) der ursprünglichen Stellungnahme durch mehrere damit befasster Fachgesellschaften gibt weiterhin eine Soll-Empfehlung für besagte Risiko-Kinder für das erste Lebensjahr, für das zweite Jahr eine Kann-Empfehlung.“

Weitere Informationen:
www.awmf.org/leitlinien