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Dr. Sabine Schickendantz

Dr. Sabine Schickendantz

Kinderkardiologin

Können Menschen mit AHF ohne Angst ihren Urlaub im Ausland verbringen?

„Mit Angst sollte man keineswegs in den Urlaub fahren! Dagegen hilft eine gute Vorbereitung und zunächst die Klärung, in welches Land die Reise gehen soll. Die Verhältnisse an den Zielorten sollten mit den Bedürfnissen des Kindes mit AHF abgeglichen werden:
verträgt es keine Hitze und Schwüle? Soll es eine bestimmte Höhe nicht überschreiten? Ist eine Fahrt mit dem eigenen PKW oder der Bahn ratsam oder ist eine Flugreise auch möglich? Ist es am Urlaubsort heiß und schwül? Wie hoch liegt der Ort über dem Meeresspiegel?
Es ist ratsam, einen mehr als ausreichenden Vorrat an Medikamenten und den Beipackzettel mitzunehmen. Da deutsche Rezepte nicht anerkennt werden, können diese am Urlaubsort oft nur (zu höheren Preisen) käuflich erworben werden.

Wichtig: bei den allermeisten Kindern wird der Urlaub im Ausland, wohin auch immer es geht, völlig unproblematisch verlaufen, weil der Herzfehler gut behandelt werden konnte.”

Wie können Familien sich vorbereiten?

„Bei Unsicherheit sollte in jedem Fall der behandelnde Kinderarzt oder der Kinderkardiologe befragt werden. Günstig zu wissen ist es, wo sich u.U. am Urlaubsort die nächste Kinderklinik / Kinderkardiologie befindet. Dabei hilft auch der ADAC.

Telefonnummern der eigenen behandelnden Klinik – Ambulanz und Station – und, so lange es noch keinen Patientenpass gibt, der letzte ausführliche Arztbrief sollten griffbereit sein. Mit der Krankenkasse muss vorab geklärt werden, wie im Falle einer notwendigen medizinischen Behandlung die Kostenübernahme erfolgt.

Mit einer zusätzlichen Auslands-Reisekrankenversicherung (ADAC, Kreditkartenanbieter oder Partner von gesetzlichen Krankenversicherungen) kann eine Behandlung und eventuell notwendige notfallmäßige Rückreise relativ problemlos organisiert werden.”

In welchen Fällen ist von einem Auslandsaufenthalt gänzlich abzuraten?

„Eine Reise in ein Land mit weniger gut aufgestelltem Gesundheitswesen muss gut überlegt sein. Bei Kindern mit akuten Problemen, einer notwendigen medikamentösen Behandlung oder Herzschrittmacher-Therapie würde ich eher von einer Reise dorthin abraten. Eine Flugreise mit einem zyanotischen (Blaufärbung aufgrund von Sauerstoffmangel) Kind kann teuer werden, wenn das Flugzeug wegen eines Notfalls mit dem Kind zwischenlanden muss. Wird die Reise beim Flugarzt der Airline angemeldet, werden teure Auflagen verlangt.”

Wann empfehlen Sie Jugendlichen, von Reisen ins Ausland abzusehen, z.B. Schüleraustausch, Auslandssemester o.ä.?

„Vor einem evtl. Auslandsaufenthalt muss geklärt werden, ob und wie der Jugendliche mit AFH während des Aufenthaltes krankenversichert ist. Im europäischen Ausland können gesetzlich Krankenversicherte mit der EHIC (Eurepean Health Insurance Card) europaweit medizinische Leistungen erhalten. Die Karte gilt in allen Ländern der EU sowie einigen weiteren europäischen Staaten (vorher Krankenkasse fragen.) Wer in Deutschland gesetzlich versichert ist, findet auf der Rückseite seiner Versichertenkarte den entsprechenden Aufdruck.

In außereuropäischen Ländern drohen u.U. enorme Kosten, wenn eine Behandlung von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen wird. Eine private Krankenversicherung abzuschließen ist kaum möglich, da hierzu das Versicherungsrisiko über den Gesundheitsstatus bestimmt wird und die geltenden Ausschlusskriterien für Patienten mit AHF kaum einen Vertragsabschluss zulassen. Keinesfalls ist es empfehlenswert, dabei unzureichende Angaben zu machen, denn dann ist der Versicherungsschutz schnell weg.

Die Auslandsreisekrankenversicherung kann ohne Angaben zum Gesundheitsstatus abgeschlossen werden, gilt jedoch nur 6 Wochen.”

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