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Melanie (36)

Melanie (36)

Verwaltungsfachwirtin bei der Stadt Köln

Melanie wurde befragt von Prof. Elisabeth Sticker, 2. Vorsitzende beim BVHK

Melanie, 1994 warst als 13-Jährige in der ersten Kinderherzsportgruppe in Köln, die ich psychologisch begleitet habe. In den vergangenen 23 Jahren haben wir den Kontakt immer gehalten. Heute bist du eine junge Frau, die mitten im Beruf steht.
Welchen Herzfehler hast du und wie oft wurdest du schon operiert?

Ich habe einen Ventrikelseptumdefekt und Verengungen der rechten und linken Pulmonalarterien (siehe unsere animierten Herzfehlerbeschreibungen auf www.herzklick.de). Ich hatte zum Glück nur eine Herzoperation, nämlich mit drei Jahren, da ist das alles behoben worden.

Aber ich habe, wie einige andere „Herzkinder“ auch, weitere Beeinträchtigungen, u.a. eine starke Sehbehinderung, eine Hörminderung und Gleichgewichtsstörungen.

Gab es in deiner Schulzeit Besonderheiten, die mit deiner Behinderung zusammenhängen?
Welchen Schulabschluss hast du?

Bis zur 7. Klasse war ich auf dem Gymnasium. Aufgrund von Problemen mit Mitschülern sowie einer Lehrkraft wechselte ich dann zur Realschule und – nach der Mittleren Reife – auf eine Körperbehindertenschule. Dort habe ich das Abitur gemacht.

Wegen meiner Sehbehinderung musste ich immer in der ersten Reihe sitzen, das hatte für Mitschüler oft ein „Gschmäckle“ in Richtung Strebertum. Als Hilfsmittel hatte ich ein Fernglas. Ab der Oberstufe bekam ich als Nachteilsausgleich (NAG) eine Schreibverlängerung bei Klausuren und konnte bei Bedarf Pausen einlegen. (Mehr Infos zu NAG).
Am Sportunterricht habe ich immer eingeschränkt teilgenommen – ohne Benotung.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich von den Mitschülern nicht richtig anerkannt wurde. Das lag möglicherweise auch daran, dass ich aufgrund meiner Schwierigkeiten nicht an einer „normalen“ Freizeitgestaltung teilnehmen konnte, zB. Fahrad-, Inliner, Skifahren.

Wie bist du auf deinen Berufswunsch gekommen?

Ich war auf Anregung meiner Mutter in der Schulzeit mal Wahlhelferin. Da habe ich gemerkt, dass mir solche Verwaltungstätigkeiten Spaß machen. Auf Grund einer Stellenanzeige in der Zeitung habe ich mich dann bei der Stadt Köln um einen Ausbildungsplatz beworben. Leider bin ich zunächst durch den schriftlichen Einstellungstest gefallen, weil ich die Fragen nicht lesen konnte.

Nach einem Kontakt zur Schwerbehindertenvertretung durfte ich den Test mit vergrößerter Schrift wiederholen und habe ihn dann bestanden.

Wie verlief dein Berufseinstieg? Und wie ging es dann weiter?

Die Ausbildung aus Berufsschule und mehreren Praktika in den unterschiedlichsten Fachbereichen habe ich problemlos durchlaufen. Nach bestandener Ausbildung bekam ich Hilfsmittel wie Lupe, größeren Monitor und Vergrößerungssoftware für den PC.

Hilfreich war parallel die Beratung beim Berufsförderungswerk in Düren, um zu erfahren, welche Hilfsmittel für mich optimal sind, z.B. habe ich jetzt auch eine Vergrößerungskamera.

Später habe ich einen zweieinhalbjährigen Lehrgang gemacht, um vom mittleren in den gehobenen Dienst aufzusteigen. Da kam ich mit meinen Klassenkameraden super klar. Ich habe mich aber auch bei der Vorstellungsrunde direkt „geoutet“, also dass ich nicht gut sehen kann.

Wie zufrieden bist du mit deiner Arbeitsstelle?

Was gefällt dir besonders gut dort?

Zurzeit bin ich beim Sozialamt und sehr zufrieden mit der Stelle – das war ein echter „Glücksgriff“:
sehr gutes Team, sehr nette Kollegen und Vorgesetzte, sehr gutes Arbeitsklima, zu 100% akzeptiert und lockerer Umgang.

Der öffentliche Dienst geht bei Menschen mit Behinderung sehr professionell vor!

Welche Hinweise kannst du Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler geben, die auf der Suche nach einem passenden Beruf sind?

Sie sollten offen mit den durch die Behinderung bedingten Bedürfnissen umgehen und die Schwerbehindertenvertretung anfragen; diese gibt es allerdings nur in größeren Betrieben.

Der Schwerbehindertenausweis kann „Türöffner“ sein. Sie sollten sich beim öffentlichen Dienst bewerben, da gibt es vielfältige Berufsfelder und Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung des optimalen Arbeitsplatzes, auch wenn sich die Leistungsfähigkeit im Verlauf ändert.

Vielen Dank, liebe Melanie für deine Auskünfte und alles Gute für deine weitere berufliche und private Zukunft!