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Sarah ist 29 Jahre alt und brauchte ein Spenderherz. Im Interview zum Tag der Organspende am 05.06.2021 lässt uns Sarah an ihrem Leben vor und nach der Transplantation teilnehmen:

BVHK:
Seit wann lebst Du mit einem neuen Herzen und warum brauchtest Du eines?

Sarah:
Ich lebe seit knapp 13 Jahren mit einem Spenderherz, weil ich damals eine Grippe verschleppt habe, ohne es zu merken. Das führte dann zu einer Herzmuskelentzündung, bis die Herzleistung nur noch bei 10% lag.

BVHK:
Wie geht es Dir heute?

Sarah:
Es ging mir viele Jahre sehr gut, doch seit ein paar Jahren habe ich mit einigen gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen, die teils mit den nötigen Medikamenten zusammenhängen, die ich nehmen muss. Trotz aller Beschwerden schlägt sich mein Herz allerdings noch ganz gut und ich hoffe, dass es noch lange hält.

BVHK:
Kannst Du anderen Betroffenen, die auf der Warteliste sind oder mit einem Spenderherz leben, Tipps geben?

Sarah:
Der wichtigste Tipp, den ich selbst mal von einem behandelnden Arzt bekam, war, dass man immer positiv denken soll. Man sollte immer an sich und die Möglichkeiten seines Körpers glauben, den Weg zu schaffen. Optimismus hilft auch nach der Transplantation, das Organ gut anzunehmen. Das spürt auch der Körper.

BVHK:
Wie stehst Du zum Thema Organspendeausweis und Widerspruchslösung?

Sarah:
Ich finde es unglaublich wichtig, dass sich jeder mit dem Thema auseinandersetzt. Ja, es ist ein schwieriges Thema, aber am Ende können wir alle in die Situation geraten, in irgendeiner Weise damit in Berührung zu kommen. Wir können alle in die Situation kommen, ein Spenderorgan zu benötigen. Ich hätte damals auch nicht gedacht, dass es mich trifft. Man rechnet doch nie damit. Deshalb bin ich auch für die Widerspruchslösung. Viele denken, dass sie dann zu einer Spende gezwungen werden. Deshalb ist es so wichtig darüber aufzuklären, dass es bloß darum geht, dass man aktiv widersprechen muss und sich somit eben mit dem Thema befassen muss. Es sterben immer noch viel zu viele Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen. Nicht alle haben so viel Glück wie ich. Ich habe schon oft gehört, dass Menschen nicht dazu gekommen sind, den Organspendeausweis zu bestellen oder auszufüllen und genau da liegt das Problem. Solange man nicht direkt betroffen ist oder man gezwungen ist, sich damit auseinanderzusetzen, wird das Thema einfach aufgeschoben, weil es unangenehm ist. Das bringt leider den Wartenden nichts. Ich finde es außerdem sehr wichtig darüber nachzudenken, dass die Entscheidung im schlimmsten Falle bei den Angehörigen liegt, die in der Trauer nicht über solche Dinge entscheiden sollten. Jeder sollte doch für sich selbst entscheiden. Egal ob Ja oder Nein. Wichtig ist allein, die Entscheidung zu treffen. Wer möchte schon seine Angehörigen damit belasten?

Mit einem Film dokumentierte das ZDF ihren langen Weg zurück ins Leben – und ihre Angst. Dafür verliehen wir 2018 dem Team um Heike Kruse unseren Journalistenpreis: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-sarah-und-ihr-fremdes-herz-100.html
https://www.3sat.de/wissen/nano/210414-sendung-102.html

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