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Wenn ich in den letzten Monaten morgens an der Zimmertür unseres Sohnes Linus vorbeigegangen bin, klang es fast so als wäre ein Klassenzimmer hinter der Tür: mit Stimmengewirr, Kinderlachen und Stühlerücken. Ein bisschen war es auch so, denn Linus (Name geändert) hat im Homeschooling mit einem Telepräsenz-Avatar AV1 gearbeitet. Das Gerät wurde unserem Sohn kostenlos vom BVHK zur Verfügung gestellt und hat ihm ein riesiges Stück Normalität geschenkt.

Mitte Dezember 2021 hatte Linus seine Herztransplantation, sieben Wochen später durften wir das Herzzentrum wieder verlassen. Bis zu seiner Transplantation war Linus so stabil gewesen, dass er zu Hause auf das Organ warten durfte und sogar einen weitestgehend normalen Alltag hatte. Mithilfe seiner Schulbegleitung ging Linus bis zum Tag der OP täglich in die Schule und war voll im Klassenverband integriert. Daher war für unseren Sohn war klar: „Wenn ich wieder nach Hause komme, möchte ich so schnell wie möglich in meinen Alltag zurück und ganz schnell wieder mit der Schule starten“. Wegen der Quarantänezeit in den ersten Monaten nach Transplantation war dies natürlich nur im Homeschooling möglich. Als wir im Newsletter des BVHK lasen, dass herzkranken Kindern für die Zeit ein Telepräsenz-Avatar angeboten werden kann, kam es uns wie eine Fügung vor. Den AV1 kannten wir bereits aus den Medien und er schien genau das Richtige für Linus zu sein, um schnell wieder an den Alltag anzuknüpfen und bei seiner Klasse zu sein.

Anfangs waren wir aber auch unsicher: würde Linus mit seinen neun Jahren mit dem Gerät zurechtkommen? Und sind wohl alle Lehrkräfte und die Eltern der Mitschülerinnen und Mitschüler bereit, die Datenschutzerklärung zu unterschreiben? Hier hatten wir vielleicht das Glück einer kleinen, überschaubaren Dorf-Grundschule, in der fast jede(r) jede(n) kennt. Die Schulleitung und die Lehrkräfte waren sofort begeistert von der Idee, einen AV1 für Linus einzusetzen. Und als klar war, dass wir bald nach Hause dürfen, haben wir den AV1 in der Eltern-WhatsApp-Gruppe vorgestellt und um Unterstützung gebeten. Auch von den Eltern gab es nur positives Feedback und binnen weniger Tage lagen alle Unterschriften vor. Der Versand und die Inbetriebnahme verliefen unkompliziert und reibungslos. Nur einen Access Point hatten wir auf eigene Kosten zusätzlich in Linus‘ Klassenzimmer einbauen lassen, um den WLAN-Empfang zu optimieren. Tatsächlich erforderlich wäre dies im Nachhinein vermutlich nicht gewesen, da der Avatar auch über den Mobilfunk problemlos funktioniert.

Mitte Februar konnte Linus gemeinsam mit „seinem“ AV1 – von den Kindern auf den Namen „Jacky“ getauft – in den Schulalltag starten. Anders als vermutlich bei höheren Schulstufen mit älteren Kindern und Jugendlichen hatten Linus‘ Lehrerinnen besonders anfangs ein wachsameres Auge auf den AV1, damit die Grundschulkinder mit „Jacky“ nicht zu übermütig wurden. Auch die Kommunikation zwischen den Kindern im Klassenraum und Linus zu Hause wurde von den Lehrerinnen immer mal wieder stärker gelenkt und moderiert. Aber schon nach wenigen Tagen hatte sich alles eingespielt, Linus und „Jacky“ waren selbstverständlicher Bestandteil des Unterrichts. Linus hat auch im Musik- und Computerraum an allen Angeboten teilgenommen und selbst in den begleiteten Freistunden auf dem Pausenhof war Linus über den AV1 mit dabei. Die Kinder haben auf „Jacky“ aufgepasst, darauf geachtet, dass er nicht alleine irgendwo stand und auch Linus somit immer irgendwo ins Spiel oder in Gespräche eingebunden war. Technische Probleme oder Schwierigkeiten in der Bedienung gab es wenige und wenn, dann wurden sie schnell durch den Support des Herstellers No Isolation behoben.

Anders als erwartet hat Linus den AV1 nur vier Monate benötigt. Der gute post-operative Verlauf und auch weil Linus bereits eine Covid19-Infektion ohne weitere Komplikationen durchgemacht hatte,  durfte Linus Mitte Mai wieder in die Schule. Den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht hat unser Sohn problemlos gemeistert und die Freude darüber, dass Linus wieder selbst mit in der Klasse sitzt, war auf allen Seiten groß. Durch den Einsatz von „Jacky“ hatten ohnehin alle das Gefühl, dass Linus eigentlich nie so richtig weg war.

Für uns steht fest: den Schulstoff selbst hätte unser Sohn auch zu Hause allein mit uns oder seiner Schulbegleitung erarbeiten können. Das Miteinander, die alltäglichen Schulgespräche mit seinen Freundinnen und Freunden, das gemeinsame Begreifen und Erfahren und die komplette soziale Interaktion wären unserem Linus ohne den AV1 aber verwehrt geblieben. Und dies sind doch vor allem die Dinge, die für unsere Kinder den eigentlichen Wert im Schulalltag ausmachen. Wir können dem BVHK und seinen Förderern nur „Danke“ sagen, dass unseren Kindern die Möglichkeit gegeben wird, einen AV1 zu nutzen. Linus darf seinen „Jacky“ nun weitergeben an die nächste Familie, das nächste Kind und wir hoffen, dass der AV1 dort genauso tolle Unterstützung leisten kann, wie bei uns.

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