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Ich bin 27 Jahre alt und lebe von Geburt an mit einer Aortenstenose. Diese wurde schon im Babyalter operiert. Da meine Aortenklappe durch eine künstliche Herzklappe ersetzt wurde und da die künstlichen Klappen nicht mitwachsen, musste diese leider ein Jahr später erneut ausgetauscht werden. Im Alter von 14 Jahren wurde bei mir dann zum dritten und bisher letzten Mal die Aortenklappe getauscht. Im Alter von ca. 16 Jahren bekam ich dann zusätzlich eine Mitralklappenstenose, die ebenso operiert werden musste.

Meine Familie, die Ärzte und ich waren zufrieden mit meiner Entwicklung. Alles in allem ging es mir sehr gut mit den Kunstklappen. Ich würde sagen, ich führte ein relativ normales Teenagerleben. Natürlich war ich etwas eingeschränkter als andere Teenager in meinem Alter, aber dennoch würde ich sagen, dass ich nichts verpasst habe!  Ich musste zwar einmal im Jahr zum Kardiologen in die Uniklinik, aber für gewöhnlich waren die Ärzte mit meinem Herzen und meiner Belastbarkeit sehr zufrieden. Auch ich merkte kaum Einschränkungen was die Belastbarkeit angeht. Die tägliche Blutentnahme aus der Fingerkuppe (ähnlich wie beim Diabetes) fand ich als Teenager zwar nervig, aber um den Gerinnungswert zu messen und die Medikamentengabe zu planen, war es eben erforderlich. Und auch damit kam ich gut zurecht. Anfangs half meine Mama mir dabei, aber schon bald machte ich auch das ganz allein.

Alles in allem konnte ich mich also ganz glücklich schätzen, dass es mir so gut ging. Dennoch gab es da ein Thema, das mich nicht los lies. Für mich war schon immer klar, dass ich später einmal Kinder haben möchte. Die Ärzte waren davon wenig überzeugt und rieten mir ab. Schließlich müsste ich nicht nur mein Marcumar (Blutgerinnungs-Medikament) gegen tägliche Spritzen ersetzen. Ich würde auch ein enormes Risiko auf mich nehmen, denn niemand wüsste, wie mein Herz eine Schwangerschaft meistern würde.
Trotz all der Ratschläge gegen eine Schwangerschaft recherchierte ich dennoch fleißig im Internet nach ähnlichen Berichten. Leider fand ich überhaupt keine.

Im Alter von 19 Jahren ging ich dann diesen gewagten Schritt. Bei der letzten Untersuchung waren alle Werte hervorragend. Ich fühlte mich kerngesund und auch meine Belastbarkeit war top! Ich wurde tatsächlich ziemlich zeitig schwanger und fühlte mich spitze! Da ich aber eine Hoch-Risiko-Schwangere war, wurde ich alle 14 Tage vom Gynäkologen vor Ort untersucht. Und auch die Uni-Klinik bestellte mich einmal im Monat zum Herz-Echo herbei.  Alles verlief nach Plan. Mein Herz machte alles super mit. Sogar die zusätzliche Belastung durch die Schwangerschaft machte meinem Herzen nicht viel aus. Ich hatte weder Wasser in den Beinen noch Sodbrennen oder andere Wehwehchen, die Schwangere Frauen so kennen. In der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) bekam ich dann aber Frühwehen. Diese waren nicht vom Herzen verschuldet. Wahrscheinlich hatte ich einfach Pech. Da die Frühwehen nicht aufhörten, musste ich ab der 16. Schwangerschaftswoche bis zur Entbindung in der Uniklink verbringen. Eine ungeplante Entbindung wäre in meiner Situation eine Katastrophe gewesen. Mal abgesehen davon, dass meine Tochter auch noch nicht weit genug entwickelt war, um zu überleben. Daher bekam ich also schon in der 20. Schwangerschaftswoche ein Medikament für die Lungenreife meiner Tochter gespritzt. Für mich bedeutete es jetzt also liegen, liegen, liegen!!

Teilweise ging es mir wirklich an die Psyche. Ich bin beinahe wahnsinnig geworden. Ich fühlte mich, als wenn ich schon zum Inventar der Klinik gehören würde. Den Krankenhausalltag hatte ich schon perfektioniert und am Ende hangelte ich mich nur noch von Mahlzeit zu Mahlzeit, um dann am Ende des Tages wieder Schlafen gehen zu können. Neben meinen täglichen Heparin-Spritzen (zur Blutgerinnung) bekam ich natürlich noch jede Menge Wehenhemmer über die Vene.

Und trotz der ganzen Frühwehen kämpfte ich bis zum Schluss. Während die Ärzte nicht mehr dran glaubten, dass ich die Schwangerschaft bis zum Ende austragen würde, verschwendete ich keinen Gedanken daran, das Baby zu verlieren. Die Ärzte führten mich durch die Frühchenstation und ich bekam Beratungen für Frühchen-Mamas. Und obwohl niemand daran glaubte, (was die Ärzte mir erst im Nachgang beichteten) war für mich klar, ich bekomme dieses Baby!!

Und genauso kam es dann auch. In der 36. Schwangerschaftswoche kam mein Baby per Kaiserschnitt gesund und munter zur Welt. Sie wog 2.700 Gramm und war 49 cm groß. Wir hatten nicht nur die kritische Zeit der Schwangerschaft überstanden, nein wir haben es sogar bis zum Schluss geschafft. 22 Wochen des Kampfes lagen nun hinter uns. 22 Wochen mit täglichen Wehen und Schmerzen. Aber an diesem Tag war alles vergessen. Für mich war es das tollste Geschenk der Welt. Obwohl ich diesen Kampf kein zweites Mal führen würde, hat er sich gelohnt!!

Solange du an dich glaubst, kannst du alles schaffen!! 

Bildquelle: privat

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