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Sozialrecht

Pflegeversicherung / Krankenversicherung

Berufstätige Eltern haben es oft schwer, die Kinderkrankheiten der noch jungen Kinder zu Hause gut zu begleiten. Wird ein herzkrankes Kind geboren, kommen zusätzliche Sorgen und viele Termine bei Fachärzten und in der Klinik hinzu. Oftmals durchleben herzkranke Kinder die normalen Kinderkrankheiten anstrengender. Die vorbelasteten Kinder brauchen mehr Zeit für eine gute Genesung. Mehr Zeit, um wieder stabil am normalen KITA- und Schulalltag teilnehmen zu können.

Unsere Gesetzgebung nimmt auf die zusätzliche Belastung der berufstätigen Eltern durch ein chronisch herzkrankes Kind nur bedingt Rücksicht. Es gibt dafür wenige zusätzliche Nachteilsausgleiche.

Kinderkrankengeld, eine Leistung der Krankenkasse Ihres Kindes

Die Eltern sollten früh darauf hingewiesen werden, dass bei Bedarf (häusliche) Kinderkrankenpflege in Anspruch genommen werden kann. Die Erfahrung lehrt, dass die Eltern mit diesem Wissen viel entspannter mit ihrem Kind umgehen. Ihre Angst, den Alltag mit einem herzkranken Kind nicht bewältigen zu können, wird somit reduziert.
Leider fehlt es an bedarfsorientierten Angeboten, besonders für schwer herzkranke Kinder, die über eine lange Zeit zuhause betreut werden müssen, beziehungsweise immer wieder stationär in der Klinik aufgenommen werden. Mehr Informationen für Eltern, die Ihre herzkranken Kinder vorübergehend, während einer akuten Erkrankung, zuhause pflegen müssen oder mit ihrem herzkranken Kind stationär aufgenommen sind, finden Sie hier: Infos Kinderkrankengeld

Ansprüche aus der Pflegeversicherung für Ihr Kind

“Kinder sind keine kleinen Erwachsenen” – entsprechend ihren Bedürfnissen ist dies auch in der Pflege zu berücksichtigen. Je nach Alter verstehen Kinder nicht immer, warum z.B. eine Magensonde gelegt, der Verband gewechselt, eine Spritze gegeben oder Blut abgenommen werden muss. Chronisch herzkranke Kinder, die in den ersten Lebensjahren viele Veränderungen ihrer Gesundheit erfahren, können positiv erleben, dass pflegerische Unterstützung zuhause durch die Eltern oder einem unterstützenden Kinderkrankenpflegedienst möglich ist.
Leistungen der Pflegeversicherung können Ihrem herzkranken Kind und der ganzen Familie den Pflegealltag erleichtern. Die Ansprüche bestehen ab Antragsdatum, sobald eine Pflegebedürftigkeit festgestellt werden kann. Wir beraten und informieren Sie gern bei der Beantragung und Überprüfung eines Pflegegrades für Ihr Kind. (hier folgt noch eine PDF-Datei)

Was bedeutet Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftig (nach § 14, Abs. 1 SGB XI) sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitliche Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen. Die pflegefachlich begründeten Kriterien sind in sechs Modulen festgelegt und bestimmen das Vorliegen der Voraussetzungen für einen Grad der Pflege:

Bei der Krankenkasse Ihres Kindes können Sie um die um die Überprüfung eines Pflegegrades bei Ihrem Kind bitten. In Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst der Kassen, MDK, erstellt die Pflegekasse ein Gutachten, in dem der Grad der Pflege festgestellt wird. Einen Termin für eine Begutachtung sollten Sie ca. zwei Wochen nach Ihrer Bitte per Post zugestellt bekommen. Der Begutachtungstermin selbst liegt in etwa vier Wochen nach Ihrer Antrag. Dabei ist das Datum des Antragseingangs entscheidend für die Gewährung.

Die Pflegebedürftigkeit wird unterteilt in fünf Pflegegrade:

  • Pflegegrad 1 geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit bei 12,5 bis unter 27 Punkte
  • Pflegegrad 2 erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit bei 27 bis unter 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3 schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit bei 47,5 bis unter 70 Punkte
  • Pflegegrad 4 schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit bei 70 bis unter 90 Punkte
  • Pflegegrad 5 schwerste Beeinträchtigungen, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergehen (Pflegegrad 4 mit besonderer Bedarfskonstellation) bei 27 bis unter 47,5 Punkte

Bei Kindern bis zu 18 Monaten verläuft die Einstufung anders. Hier entfällt der Pflegegrad 1, die Kinder gelangen mit den Voraussetzungen für den Pflegegrad 1 direkt in den Grad 2. Mit dem 19. Lebensmonat wird automatisch zurückgestuft, wenn der Übergang nicht anders vorbereitet wird. Bei einem Wechsel der Krankenversicherung wechseln Sie automatisch auch die Pflegeversicherung und der bisherige Status geht verloren. Pflegeleistungen müssen neu beantragt werden.

Weitere Informationen:

Broschüre “Sozialrechtliche Hilfen”

Ich möchte mein Kind während einer akuten Erkrankung begleiten, welche Unterstützung kann ich bekommen?

Berufstätige Eltern haben einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit, wenn sie die Pflege und Betreuung ihres kranken Kindes übernehmen müssen. Die Krankenkasse zahlt bei Ausfall des Einkommens aufgrund der Betreuung des kranken Kindes und unter bestimmten Voraussetzungen Kinderkrankengeld.

Die Anzahl der Tage, an denen Kinderkrankengeld beansprucht werden kann, erhöht sich in den Jahren 2024 und 2025 pro Elternteil und Kind auf 15 Arbeitstage im Jahr, jedoch nicht mehr als 35 Arbeitstage für alle Kinder. Alleinerziehende erhalten maximal 30 Arbeitstage pro Kind im Jahr und nicht mehr als 70 Arbeitstage für alle Kinder.

Eine Gesetzesänderung sieht seit dem 1.1.2024 vor, dass Eltern zusätzlich Anspruch auf Kinderkrankengeld haben, wenn sie zusammen mit dem erkrankten Kind aus medizinischen Gründen als Begleitperson stationär aufgenommen werden. Der Anspruch besteht für die Dauer der medizinisch notwendigen Begleitung in der Klinik und für ein Elternteil. Die Tage werden nicht auf die eigentlichen Kinderkrankengeldtage angerechnet, sondern zusätzlich gewährt.

In der sehr schweren Situation, dass ein Kind unheilbar krank ist und nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben hat, ist die maximale Dauer der Zahlung von Kinderkrankengeld aufgehoben.

Herzkranke Kinder werden oftmals in Familien mit mehreren Kindern hineingeboren. Die ganze Familie ist betroffen von den stationären Aufenthalten der herzkranken Kinder, bei denen ein Elternteil mit dem Kind in der Klinik verweilt. Die Geschwister werden vor neue Situationen gestellt und müssen verstehen, dass der zuhause verbleibende Elternteil weiter zur Arbeit gehen muss. Damit die Geschwisterkinder zuhause betreut sind, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Haushaltshilfe gemäß §38 SGB V beantragt werden.

Weitere Informationen

PDF Kinderkrankengeld
Broschüre „Sozialrechtliche Hilfen“

PUEG – Pflegeunterstützungs- und entlastungsgesetz ab 01.01.2024

Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz (PUEG)

Am 26. Mai 2023 hat der Bundestag das Pflegeunterstützungs- und Entlastungsgesetz (PUEG) verabschiedet. Das Gesetz zielt darauf ab Pflegebedürftige sowie deren Angehörige zu unterstützen. Zudem soll sich durch das neue Gesetz die finanzielle Lage der Pflegeversicherung stabilisieren und die Arbeitsbedingungen von Pflegeberufen verbessern.
Das neue Gesetz wird schrittweise umgesetzt. Der Fokus liegt hierbei auf der ambulanten Pflege. Es soll, zur finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, höhere Leistungsbeträge geben.

Pflegegeld

Im ersten Schritt und um die häusliche Pflege zu stärken, wird das Pflegegeld gemäß §37 SGB XI zum 1. Januar 2024 um 5 Prozent erhöht:

  • Pflegegrad 1: 0 €
  • Pflegegrad 2: 332 € statt vorher 316 €
  • Pflegegrad 3: 573 € statt vorher 545 €
  • Pflegegrad 4: 765 € statt vorher 728 €
  • Pflegegrad 5: 947 € statt vorher 901 €

Neben dem Pflegegeld werden auch die Pflegesachleistungen gemäß § 36 SGB XI um 5 Prozent erhöht.
In einem weiteren Schritt zum 1. Januar 2025 steigen alle Leistungen der Pflegeversicherung um weitere 4,5 Prozent. Dies bedeutet, dass auch das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen um weitere 4,5 Prozent erhöht werden.

Pflegeunterstützungsgeld

Ab Januar 2024 kann das Pflegeunterstützungsgeld jährlich bewilligt werden und nicht nur einmal pro Pflegefall.
Die Pflege eines herzkranken Kindes verläuft in vielen Fällen nicht gleichbleibend und muss der Verfassung des Kindes und dem Krankheitsverlauf angepasst werden. Insbesondere Vor- und nach größeren Eingriffen am Herzen können Situationen entstehen, die neu organisiert werden müssen, um eine pflegerische Versorgung sicher zu stellen. Die Eltern haben es im Arbeitsalltag oft schwer, akute Veränderungen in der Pflegesituation ihres Kindes mit den beruflichen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Beschäftigte dürfen sich in akuten Pflegesituationen eines nahen Angehörigen für bis zu zehn Arbeitstage von der Arbeit freistellen lassen. Für diese Zeit kann auf Antrag das Pflegeunterstützungsgeld gemäß §44a Abs. 3 SGB XI bewilligt werden. Das Unterstützungsgeld ist eine Lohnersatzleistung der Pflegeversicherung für entgangenes Arbeitsentgelt während einer akuten Pflegesituation von bis zu zehn Tagen und beträgt ca. 90 % des Nettoarbeitsentgelts.

Das neue Entlastungsbudget

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege werden zukünftig in einem Budget gemäß des neuen §42a SGB XI zusammengefasst. Der vollständige Betrag der Kurzzeitpflege in Höhe von 1774 € kann dann zur Aufstockung der Verhinderungspflege in Höhe von 1612 € genutzt werden. Dieser gemeinsame Jahresbetrag, in Höhe von 3386 €, bildet zukünftig ein Gesamtbudget, das sogenannte „Entlastungsbudget“.
Als zusätzliche Erleichterung entfällt beim neuen Entlastungsbudget die Voraussetzung von mindestens sechs Monaten vorangegangener häuslicher Pflege. Des Weiteren steigt die Höchstdauer der Verhinderungspflege von sechs auf acht Wochen. Ebenso wird das halbe Pflegegeld für acht statt sechs Wochen während der Verhinderungspflege weitergezahlt. Eine stundenweise Verhinderungspflege, die weniger als acht Stunden pro Tag dauert, hat keine Auswirkungen auf die Auszahlung des Pflegegeldes.

  • Entlastungsbudget ab 01.01.2024
    Junge Pflegebedürftige bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres mit Pflegegrad 4
    oder 5 können auf das Entlastungsbudget in Höhe von 3386 € zugreifen.
  • Entlastungsbudget ab 01.07.2025
    Das Entlastungsbudget steht allen Pflegebedürftigen ab dem 01. Juli 2025 zur Verfügung. Durch die Erhöhung der Leistungsbeträge zum 1. Januar 2025 beträgt das Entlastungsbudget dann 3539 € jährlich.
Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 € / monatlich bleibt in allen Pflegegraden durch das PUEG unangetastet bestehen.

Auskunft über Pflegeleistungen

Bei der Inanspruchnahme der Leistungen für Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege und der Abrechnung des Entlastungsbetrags, war es in der Vergangenheit für die Eltern oft schwierig Zeiten und bereits in Anspruch genommene Leistungen abzugrenzen. Eine Zusammenarbeit mit den Pflegekassen und ein Nachweis der bereits in Anspruch genommenen Leistungen war nicht selbstverständlich.
Ab dem 1. Januar 2024 gibt die Pflegekasse, im Abstand von sechs Monaten, Auskünfte über die Leistungen und Kosten. Sie dürfen auch einsehen, welche Bestandteile der erbrachten Leistungen von den verschiedenen Leistungserbringern bei der Pflegekasse zur Abrechnung eingereicht wurden. Es können die letzten 18 Monate abgefragt werden. Die Aufstellungen können Sie regelmäßig alle sechs Monate erhalten. Sprechen Sie Ihre Pflegekasse bei Interesse an.

Beratungsstellen für Pflege

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) bietet auf seiner Webseite eine themenbezogene Suche nach wohnortnahen nicht-kommerziellen Beratungsangeboten für hilfe- und pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen.

Alle Beratungsstellen von Bund und Ländern, Kommunen und Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, Vereinen und weiteren Institutionen und auch Pflegestützpunkte sind aufgeführt.

Privatversicherte finden über die Datenbank auch die Angebote von COMPASS Private Pflegeberatung: www.zqp.de/beratung-pflege

Landespflegegeld in Bayern und Rheinland-Pfalz für schwerbehinderte Menschen

Das reguläre Pflegegeld ist eine Leistung der Pflegeversicherung für Menschen mit festgestelltem Pflegebedarf aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen. Beantragt wird es bei den Pflegekassen.

Das Landespflegegeld wird nur in Bayern ab Pflegegrad zwei, in Rheinland-Pfalz und in Bremen i.d.R zusätzlich zu den Geldleistungen der Pflegeversicherung gewährt. Voraussetzungen und Höhe sind unterschiedlich und i.d.R. unabhängig vom Einkommen oder anderen Leistungen. Der Antragsteller muss in dem Bundesland wohnen, in dem er das Landespflegegeld beantragt. Es wird in Bremen jedoch angerechnet auf Leistungen der Pflegeversicherung und wird hier als Blindengeld (bzw. Blindenhilfe) oder Gehörlosengeld bezeichnet.

Für Familien mit herzkranken Kindern ist es vor allem in Bayern und u.U. in Rheinland-Pfalz interessant.

Mehr Info:

Bayern: www.landespflegegeld.bayern.de
Rheinland-Pfalz: www.bus.rlp.de

Mehr Infos

Broschüre "Sozialrechtliche Hilfen"
Infos zu Kinderkrankengeld

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Foto: iStock/monkeybusinessimages